Die Perspektive der Diaspora auf Indonesiens Entwicklungsprioritäten
Jakarta, 12. August 2026 — Die Programme Makan Bergizi Gratis (MBG) und Koperasi Desa/Kelurahan Merah Putih (Kopdes Merah Putih) sind zwei Großprogramme, die Teil der Entwicklungsagenda der Regierung von Präsident Prabowo Subianto sind.
Beide verfolgen im Kern positive Ziele. Von MBG wird erwartet, dass es die Nährstoffversorgung der Bevölkerung verbessert und zugleich die Wertschöpfungskette im Lebensmittelbereich in Bewegung bringt. Kopdes Merah Putih wiederum soll die Dorfwirtschaft über Genossenschaften und wirtschaftliche Aktivitäten der Bevölkerung stärken.
Die schiere Größenordnung beider Programme wirft jedoch eine Frage auf, die aus unserer Sicht wichtig ist und offen diskutiert werden sollte:
Sind diese beiden Programme derzeit wirklich die dringendste Priorität, oder gibt es Grundbedürfnisse der Bevölkerung, die zuerst gestärkt werden müssten?
Als Teil der indonesischen Diaspora im Ausland vertreten wir die Auffassung, dass die Entwicklungsprioritäten beim grundlegendsten Fundament ansetzen müssen: Arbeit, Gesundheit und Bildung.
MBG: Investition in Ernährung oder ein zu groß angelegtes Programm?
Kinder brauchen nährstoffreiche Nahrung, um zu wachsen und sich zu entwickeln. Eine bessere Ernährung von klein auf kann zudem eine langfristige Investition in die Qualität der indonesischen Humanressourcen sein. Doch je größer ein Programm ist, desto größer sind auch die Herausforderungen bei seiner Steuerung.
Lebensmittelsicherheit, Qualität der Speisen, Verteilung, Aufsicht, Effizienz des Haushalts sowie die Qualität der Zutaten müssen ernsthaft beachtet werden.
Denn der Erfolg von MBG sollte sich nicht nur daran messen lassen, wie viele Mahlzeiten verteilt wurden, sondern auch an folgenden Fragen:
Sind diese Speisen sicher? Stimmt der Nährstoffgehalt? Erreichen sie die richtige Zielgruppe? Und bringt der eingesetzte Haushalt den größtmöglichen Nutzen?
Wie steht es um Kopdes Merah Putih?
Das zweite, nicht minder große Programm ist Koperasi Desa/Kelurahan Merah Putih. Die Regierung strebt die Gründung von Zehntausenden Genossenschaften an, um die Dorfwirtschaft zu stärken.
Bei guter Verwaltung können Genossenschaften der Dorfbevölkerung helfen, Zugang zu Märkten, Finanzierung, Distribution und Warenbeschaffung zu erhalten. Landwirte etwa können eine Genossenschaft als Sammelstelle für ihre Ernte nutzen, bevor sie in größeren Mengen verkauft wird.
Eine Genossenschaft zu gründen schafft jedoch nicht automatisch Wohlstand. Eine Genossenschaft braucht ein reales Geschäft.
- Es muss ein Produkt geben.
- Es muss Kundschaft geben.
- Es muss ein Management geben.
- Es muss Gewinn geben.
Und am wichtigsten: Es muss Mitglieder geben, die diese Genossenschaft tatsächlich besitzen und nutzen.
Die Ministerialverordnung PMK Nr. 7/2026 legt rund 58,03 Prozent bzw. 34,57 Billionen Rupiah der Dana Desa 2026 zur Unterstützung der Umsetzung von KDMP fest, während die Dana Desa 2026 insgesamt auf 60,57 Billionen Rupiah festgesetzt wurde.
Diese Zahl zeigt, wie ernst es der Regierung mit der Förderung dieses Programms ist. Doch je größer die staatliche Unterstützung, desto größer sind auch die Anforderungen an Transparenz und Ergebnisse.
Was ist aus unserer Sicht also dringlicher?
An dieser Stelle unterscheidet sich unsere Perspektive als Diaspora vielleicht ein wenig. Wir halten MBG und Kopdes nicht für schlechte Programme.
Wir stellen jedoch die Reihenfolge der Prioritäten infrage.
Aus unserer Sicht gibt es drei ganz zentrale Fundamente, die zuerst ernsthaft und flächendeckend in ganz Indonesien gestärkt werden müssten.
1. Arbeitsplätze und ein angemessenes Einkommen
Aus unserer Sicht ist die grundlegendste Frage die Verfügbarkeit von ausreichend vielen, produktiven und für die indonesische Bevölkerung leicht zugänglichen Arbeitsplätzen.
Stellen Sie sich eine Familie vor, deren Familienoberhaupt eine feste Arbeit und ein angemessenes Einkommen hat.
Mit diesem Einkommen kann die Familie nährstoffreiche Lebensmittel kaufen, die Ausbildung der Kinder bezahlen, Gesundheitsleistungen in Anspruch nehmen, angemessen wohnen und für die Zukunft sparen.
Programme zur Lebensmittelhilfe können der Bevölkerung helfen, kurzfristige Bedürfnisse zu decken.
Doch eine angemessene Arbeit versetzt Familien in die Lage, ihre Bedürfnisse langfristig aus eigener Kraft zu decken.
2. Ein flächendeckendes Gesundheitssystem
Das zweite Fundament ist die Gesundheit.
Wir hören noch immer verschiedene Berichte über Menschen in abgelegenen Gebieten, die weite Wege zurücklegen müssen, um medizinisch versorgt zu werden.
In manchen Regionen sind die Gesundheitseinrichtungen weiterhin begrenzt, das Gesundheitspersonal ist ungleich verteilt, und die Qualität der Versorgung ist in städtischen und in abgelegenen Gebieten noch nicht gleich.
Ein weiteres Problem ist die soziale Lage des Gesundheitspersonals.
Wir sehen auch Beschwerden über verspätete Gehaltszahlungen oder ausstehende Ansprüche des Gesundheitspersonals in mehreren Regionen.
Aus unserer Sicht müssen solche Probleme ernsthaft beachtet werden.
Denn Gesundheit ist ein Grundbedürfnis, das nicht warten kann.
Die Bevölkerung sollte eine angemessene Gesundheitsversorgung erhalten können, wenn sie sie braucht — unabhängig davon, ob die Menschen im Stadtzentrum, in einem Dorf, auf einer kleinen Insel oder im Landesinneren leben.
Gesundheitseinrichtungen zu bauen, den Zugang auszuweiten, ausreichend medizinisches Personal bereitzustellen, die Verfügbarkeit von Medikamenten und Geräten sicherzustellen sowie die soziale Absicherung des Gesundheitspersonals zu gewährleisten, sind für Indonesiens Zukunft äußerst wichtige Investitionen.
3. Leicht zugängliche Bildung und gut abgesicherte Lehrkräfte
Das dritte Fundament ist die Bildung.
Noch immer gibt es indonesische Kinder, die es schwer haben, Bildung zu erhalten — wegen weiter Schulwege, geografischer Gegebenheiten, begrenzter Einrichtungen oder wirtschaftlicher Probleme der Familie.
Aus unserer Sicht muss die Regierung weiterhin sicherstellen, dass jedes indonesische Kind Zugang zu einer angemessenen und qualitativ guten Schule hat.
Wenn ein Dorf zwar recht viele Kinder im Schulalter hat, die Schule aber zu weit entfernt ist, dann ist der Zugang zu Bildung noch nicht wirklich flächendeckend. Deshalb müssen der Bau von Schulen und ihre gleichmäßige Verteilung Beachtung finden.
Doch es reicht nicht, nur Schulgebäude zu errichten. Auch Lehrkräfte müssen angemessen abgesichert sein. Lehrkräfte sind eines der wichtigsten Fundamente der Bildung. Sie brauchen ein angemessenes Einkommen, Beschäftigungssicherheit, ausreichende Ausstattung sowie Anerkennung für ihren Beruf.
Wenn hochwertige Bildung für jedes Kind zugänglich ist, dann baut Indonesien Humanressourcen auf, die über die Zukunft des Landes in den kommenden Jahrzehnten entscheiden werden.
Schlusswort: Unsere Meinung als Diaspora
Dieser Text ist unsere Meinung als indonesische Diaspora im Ausland.
Wir beanspruchen nicht, alle Antworten zu haben, und wollen die Politik der Regierung nicht verurteilen. Wir hoffen lediglich, dass Indonesiens Entwicklung die Bedürfnisse der Bevölkerung stets an erste Stelle setzt. Aus unserer Sicht sind Arbeit, Gesundheit und Bildung drei ganz grundlegende Fundamente.
Wenn diese drei stärker und flächendeckender werden, dann können Programme wie MBG und Kopdes Merah Putih zu Verstärkern der Entwicklung werden, deren Nutzen weitaus größer ist.
Letztlich wollen wir nicht, dass Indonesien nur für die Größe seiner Regierungsprogramme bekannt ist. Wir wollen, dass Indonesien für seine Bevölkerung bekannt ist: wohlhabend, gesund, gebildet, produktiv und in der Lage, eigenständig zu leben.
Das ist unsere Hoffnung als indonesische Diaspora für die Heimat.




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