Der Islam in Peking, China
Viele Menschen verbinden China mit buddhistischen Tempeln oder Architektur im alten chinesischen Stil. Doch der Islam ist bereits seit über tausend Jahren in China vertreten und blühte durch arabische und zentralasiatische Händler auf, die über die Seidenstraße ins Land kamen.
In Peking gibt es Dutzende von Moscheen, die bis heute als aktive Gotteshäuser dienen. Ihre Architektur ist einzigartig: Sie verbindet traditionelle chinesische Stile mit islamischen Elementen und unterscheidet sich dadurch deutlich von den Moscheen, wie man sie typischerweise im Nahen Osten findet.
Hier sind einige historische Moscheen, die Sie bei einem Besuch in Peking besichtigen können.
1. Niujie-Moschee (牛街礼拜寺)
Name auf Mandarin: 牛街礼拜寺 (Niújiē Lǐbàisì) 📍 Standort: Niujie, Bezirk Xicheng, Peking 📅 Errichtet: 996 n. Chr. 👑 Dynastie: Liao ⏳ Alter: Über 1.000 Jahre
Diese Moschee ist das spirituelle Zentrum für die fast 10.000 Muslime, die in der Umgebung leben, und zugleich die größte und älteste Moschee Pekings. Sie befand sich ursprünglich im Bezirk Xuanwu, bevor dieser im Jahr 2010 in den Bezirk Xicheng eingegliedert wurde. Das Viertel Niujie im Bezirk Xicheng, in dem die Moschee liegt, beherbergt die größte muslimische Bevölkerung Pekings.
2. Dongsi-Moschee (东四清真寺)
Name auf Mandarin: 东四清真寺 (Dōngsì Qīngzhēnsì) 📍 Standort: Dongsi South Street Nr. 13, Bezirk Dongcheng, Peking 📅 Errichtet: ca. 1356 n. Chr. 👑 Dynastie: Yuan ⏳ Alter: Etwa 670 Jahre
Die Moschee ist um drei Innenhöfe im chinesischen Stil herum angelegt; im hinteren Bereich befinden sich der Waschraum, die Bibliothek und der Gebetssaal. Der Gebetssaal ist der einzige Gebäudeteil, der seit der Ming-Dynastie erhalten geblieben ist; nach Jahren der Vernachlässigung wurde er in seiner ursprünglichen Pracht restauriert. An einem Ende der Veranda des Saals steht eine Glocke, die einst die Spitze eines (heute nicht mehr existierenden) Turms zierte, während sich am anderen Ende eine Inschrift aus der Regierungszeit des Wanli-Kaisers (1573–1620) der Ming-Dynastie befindet. ### 3. Changying-Moschee (常营清真寺)
Mandarin-Name: 常营清真寺 (Chángyíng Qīngzhēnsì) 📍Standort: Ethnische Gemeinde Changying Hui, Bezirk Chaoyang, Peking 📅 Gegründet: ca. 1506–1521 👑 Dynastie: Ming ⏳ Alter: Ungefähr 500 Jahre
Die Changying-Moschee wurde während der Regierungszeit von Kaiser Zhengde aus der Ming-Dynastie erbaut. Sie dient als religiöses Zentrum für die Hui-Gemeinschaft, die seit Langem im Gebiet Changying ansässig ist. Ihre Architektur zeichnet sich durch die für traditionelle chinesische Gebäude typischen schwarzen Ziegel und grünen Dachziegel aus. Trotz mehrerer Renovierungen ist die ursprüngliche Bausubstanz erhalten geblieben, sodass ihre historische Bedeutung weiterhin spürbar ist.
4. Huashi-Moschee (花市清真寺)
Name auf Mandarin: 花市清真寺 (Huāshì Qīngzhēnsì) 📍 Standort: Bezirk Dongcheng, Peking 📅 Errichtet: 1415 n. Chr. 👑 Dynastie: Ming ⏳ Alter: Über 600 Jahre
Die Huashi-Moschee wurde während der Regierungszeit von Kaiser Yongle aus der Ming-Dynastie erbaut. Sie ist für ihren weitläufigen Innenhof und ihre Architektur im klassischen chinesischen Stil bekannt und diente historisch als Zentrum für islamische Bildung in Peking.
5. Madian-Moschee (马甸清真寺)
Diese Moschee wurde während der Regierungszeit von Kaiser Kangxi (regierte 1661–1722) aus der Qing-Dynastie errichtet, um der großen ethnischen Hui-Bevölkerung in diesem Gebiet zu dienen. Während der Kulturrevolution wurde die Moschee in eine Fabrik umgewandelt, wobei der Gebetssaal zu einer Werkstatt umfunktioniert wurde. Im Jahr 1982 zog die Fabrik um, und das Gebäude nahm seine Funktion als Moschee wieder auf.
6. Dongzhimen-Moschee (东直门清真寺)
Name auf Mandarin: 东直门清真寺 (Dōngzhímén Qīngzhēnsì) 📍 Standort: Bezirk Dongcheng, Peking 📅 Errichtet: Ära der Yuan-Dynastie
Die Dongzhimen-Moschee ist eine der historischen Moscheen im Osten Pekings. Obwohl das heutige Gebäude aus der späten Qing-Dynastie stammt, reicht die Geschichte der Moschee bis in die Yuan-Dynastie zurück. Das Gebäude bewahrt die für traditionelle chinesische Wohnhäuser typische quadratische Hofstruktur, während der Gebetssaal weiterhin zur Qibla (Gebetsrichtung) hin ausgerichtet ist.
Die einzigartige Architektur der Pekinger Moscheen
Was die Pekinger Moscheen auszeichnet, ist ihr Design. Von außen ähnelt das Gebäude eher einem traditionellen chinesischen Tempel oder Palast als einer Moschee aus dem Nahen Osten. Beim Betreten erwartet die Besucher jedoch Folgendes:
Arabische Kalligrafie. Ein zur Qibla ausgerichteter Mihrab. Islamische Ornamente. Ein geräumiger Gebetssaal. Eine harmonische Verbindung chinesischer und islamischer Kultur.
Diese Verschmelzung zweier Kulturen ist ein besonderes Highlight des Halal-Tourismus in Peking.
Fazit
Die historischen Moscheen in Peking belegen, dass der Islam seit mehr als tausend Jahren Teil der langen Geschichte Chinas ist. Von der Niujie-Moschee – deren Ursprünge mehr als ein Jahrtausend zurückreichen – bis hin zu den Moscheen Dongsi, Huashi und Changying zeugen all diese Bauwerke von der Geschichte der muslimischen Gemeinschaft in der Hauptstadt des Landes hinter dem „Bambusvorhang“.




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